Koordination:
Prof. Dr. Winfried Thielmann (FaDaF, Univ. Chemnitz) Dr. Mattheus Wollert (FaDaF, Univ. Frankfurt/M.)
Wissenschaftssprachliche Varietäten sind das Resultat von Sprachausbau, der – neben Erfordernissen der Benennung wissenschaftlicher Gegenstände – vor allem sprachliche Ressourcen im Bereich des wissenschaftlichen Vorgehens (alltägliche Wissenschaftssprache) und des wissenschaftlichen Ringens um Erkenntnis (Eristik) zum Gegenstand hat (Ehlich 1993, 1995). Die Aneignung der wissenschaftssprachlichen Varietät ist für Studierende ein erheblicher Bestandteil der wissenschaftlichen Sozialisation. Insofern haben Hochschulen zusätzlich zu ihrem studienfachbezogenen Ausbildungsauftrag immer auch eine sprachliche Vermittlungsaufgabe. Anders als muttersprachliche Studienanfänger, die die im Gymnasium gelernten sprachlichen Ressourcen relativ schnell für das sprachliche Handeln an der Universität nutzbar machen können, müssen ausländische Studienbewerber in der deutschen Fremdsprache erst „studierfähig“ gemacht werden. Deshalb nennen die dafür vorgesehenen und in der Rahmenordnung über Deutsche Sprachprüfungen für das Studium an deutschen Hochschulen (RO-DT) regulierten Prüfungen als Zweck ausdrücklich die „sprachliche Studierfähigkeit“. Diese Zwecksetzung unterscheidet sich wesentlich von Zwecksetzungen anderer Sprachprüfungen dadurch, dass damit keine Sprachstufe definiert ist, sondern dass in ihr die Voraussetzungen zum wirksamen Handeln im Wissenschafts-betrieb angesprochen sind. Diese grundlegende Unterscheidung wird in den Diskussionen um die Weiterentwicklungen der einschlägigen Prüfungen und damit auch in der Vorbereitung auf das Studium oft leider nicht ausreichend berücksichtigt (s. auch Moll 2012). Stattdessen erschöpft sich die Auseinandersetzung darüber in Niveau-Diskussionen oder in grundsätzlichen testtheoretischen Überlegungen. Die zu Studienbeginn für den angestrebten Zweck in der Regel nicht ausreichend ausgebildeten sprachlichen Kompetenzen von ausländischen Studierenden werden während ihres Studiums oft zwar erkannt und an vielen Hochschulen durch studienbegleitende Maßnahmen angegangen. Eine professionelle studienintegrierte Sprachqualifizierung, die sich an den genuin universitären Handlungszusammenhängen orientiert, bedarf jedoch sorgfältiger, empirisch abgesicherter Beschreibungsgrundlagen und einer soliden theoretischen Fundierung. Wir laden zu diesem Themenschwerpunkt Beiträge ein, welche sich in diesem Sinne mit Forschungsanliegen zur Wissenschaftssprache befassen und/oder deren Rückkoppelung mit den dafür aus fremdsprachendidaktischer und prüfungstheoretischer Sicht notwendigen Voraussetzungen zur „sprachlichen Studierfähigkeit“ in den Blick nehmen.
Interessierte Referent/inn/en werden gebeten, ihre Vorschläge für einen Beitrag in Vortragsform (ca. 30-35 Minuten + 20 Minuten Diskussionszeit) mit einem Abstract von ca. 20 Zeilen Länge AUSSCHLIESSLICH über das Formular zur Einreichung von Vortragsvorschlägen einzureichen. Abstracts, die direkt an die Betreuer des Forums gehen werden NICHT berücksichtigt! Die Betreuer können aber für Rückfragen per Mail oder Telefon kontaktiert werden.
Literatur: Ehlich, Konrad (1993): Deutsch als fremde Wissenschaftssprache. In: Jahrbuch Deutsch als Fremdsprache Bd. 19. München: iudicium, 13-42. Ehlich, Konrad (1995): Die Lehre der deutschen Wissenschaftssprache: sprachliche Strukturen, didaktische Desiderate. In: Kretzenbacher, H. L./Weinrich, H. (Hgg.): Linguistik der Wissenschaftssprache (= Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Forschungsbericht 10). Berlin: de Gruyter, 325-352. Moll, Melanie (2012): „Aber ich hab‘ doch schon C 1“ – Lehrmaterialien für studienbegleitende Wissenschaftssprachkurse. In: Thielmann, W./Neumannová, H. (Hgg.): In der Grenzregion: Dimensionen fachlicher und wissenschaftlicher Kommunikation. Frankfurt a. M.: Lang, 47-66.
Prof. Dr. Winfried Thielmann: thielmann@fadaf.de Dr. Mattheus Wollert: wollert@fadaf.de
Alle, die einen Vorschlag eingereicht haben, werden nach dem 21.01.2013 von den jeweiligen TSP-Betreuern persönlich informiert, ob der Beitrag angenommen wurde. Referentinnen und Referenten der Jahrestagung erhalten einen Tagungsrabatt von knapp 50% und zahlen nur 45 EUR statt 85 EUR Tagungsgebühr. Sie haben außerdem die Möglichkeit, ihren Vortrag im Tagungsband, der in der Reihe Materialien DaF erscheint, zu veröffentlichen, sofern er den Qualitätskriterien entspricht. Die Reise- und Unterkunftskosten müssen die Referentinnen und Referenten selber tragen.
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