Fachverband für Deutsch als Fremdsprache
 Fachverband Deutsch als Fremd- und ZweitspracheInteressenvertretung für DaF-/DaZ-Lernende, -Lehrende und -Institutionen 

Themenschwerpunkt 1

Europäische Literatur im Zusammenhang der Sprach- und Kulturvermittlung

Koordination:
Benjamin Dupke (TU Chemnitz): benjamin.dupke@phil.tu-chemnitz.de
Dr. Annegret Middeke (FaDaF, Universität Göttingen): middeke@fadaf.de
Prof. Dr. Winfried Thielmann (FaDaF, TU Chemnitz): thielmann@fadaf.de

Literarische Texte werden gemeinhin als kulturell bedeutsame Zeugnisse, mithin als Träger kulturellen Wissens aufgefasst und sind als solche fester Bestandteil des muttersprachlichen Bildungskanons.

Die ursprüngliche Zielsetzung des Literaturunterrichts im Sinne einer geistig-nationalen Einigung durch Literatur verschob sich in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Richtung einer literarischen Sozialisation Heranwachsender (vgl. Hegele 1996). Seit den 70er-Jahren rücken dabei vermehrt rezeptionstheoretische sowie handlungs- und produktionsorientierte Konzepte ins Zentrum der Überlegungen. Literatur als Vermittlungsgegenstand erhält so den Status eines Teilhabemediums, mit dem semiotische Prozesse erprobt und Kulturtechniken eingeübt werden können.

Im Zusammenhang der Sprach- und Kulturvermittlung im Bereich Deutsch als Fremd- und Zweitsprache spielen literarische Texte eine systematisch andere Rolle. Sie dienen einerseits als authentische Träger sprachlicher und kultureller Spezifika oder als Rede- und Schreibanlass im Sinne einer lernerorientierten Unterrichtsgestaltung. In landeskundlichen Zusammenhängen werden sie mitunter zu dokumentarischen Zwecken herangezogen. Obwohl die Interkulturelle Hermeneutik (vgl. u.a. Krusche/Wierlacher 1990) in Anknüpfung an die philosophische Hermeneutik (Gadamer 1960) sowie die Rezeptions- und Wirkungsästhetik (Ingarden 1931, Iser 1976) auf die besonderen Bedingungen des „fremdkulturellen Leseprozesses“ (Krusche 1990) aufmerksam gemacht und den Grundstein für eine literarische Didaktik des Fremdverstehens (vgl. Bredella 2002) gelegt hat, verbleibt das Potential literarischer Texte im Zusammenhang der Sprach- und Kulturvermittlung immer noch weitgehend ungenutzt.

Um die Literatur selbst und ihr interkulturelles Potential in den Fokus zu rücken, soll es in diesem Themenschwerpunkt ausdrücklich um europäische Literatur gehen, wobei folgende Fragestellungen zentral sind:
  • Welches Potential haben literarische Texte als Produkt und Gegenstand sprachlichen Handelns für den DaF-/DaZ-Unterricht?
  • Welche Möglichkeiten und Chancen ergeben sich aus dem Einbezug europäischer Literatur, also aus einer Fokuserweiterung über die deutsche Literatur hinaus, für die Sprach- und Kulturvermittlung?
  • Wie lässt sich das ästhetische Wirkungspotential literarischer Texte im DaF-/DaZ-Unterricht fruchtbar machen?
  • Können muttersprachliche literaturdidaktische Ansätze fremd- und zweitsprachige befruchten und umgekehrt?

Willkommen sind vor allem Beiträge, die theoriebezogen am konkreten literarischen Text argumentieren oder demonstrieren, wie dessen Potential unterrichtlich fruchtbar gemacht werden kann.

Literatur:
Bredella, L. (2002): Wie sollen wir literarische Texte lesen? Überlegungen zum ›guten Leser‹. In: ders., Literarisches und interkulturelles Verstehen. Giessener Beiträge zur Fremdsprachendidaktik. Tübingen: Narr. 34–79.
Gadamer, H.-G. (1960): Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik, 2. durchges. Aufl. 1993. Tübingen: Mohr Siebeck.
Hegele, W. (1996): Literaturunterricht und literarisches Leben in Deutschland. Historische Darstellung - Systematische Erklärung. Würzburg.
Ingarden, R. (1931): Konkretisation und Rekonstruktion. In: Warning, R. (Hrsg.): Rezeptionsästhetik. Theorie und Praxis. Stuttgart: UTB 1994. 42–70.
Iser, W. (1976): Der Akt des Lesens. Theorie ästhetischer Wirkung. München.
Krusche, D. (1990): Vermittlungsrelevante Eigenschaften literarischer Texte. In: Wierlacher, A. (Hrsg.): Das Fremde und das Eigene. Prolegomena zu einer interkulturellen Germanistik. München: Iudicium. 103-125.
Krusche, D.; Wierlacher, A. (1990) (Hrsg.): Hermeneutik der Fremde. München.

Interessierte ReferentInnen werden gebeten, bis zum 1. Dezember 2018 ihre Vorschläge für einen Beitrag (insg. 60 Minuten, davon ca. 30-35 Minuten Vortrag + 25-30 Minuten Diskussionszeit) mit einem Abstract von max. 200 Wörtern Länge ausschließlich über das Online-Formular einzureichen. Abstracts, die direkt an die KoordinatorInnen des Themenschwerpunkts gehen, werden NICHT berücksichtigt! Die KoordinatorInnen stehen aber natürlich gerne für Rückfragen zur Verfügung.

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